"L des Sommers 2009": Beth Ditto
Hoppla, da bin ich!
Wenn wir einmal davon absehen, dass Michael Jackson derzeit mehr Schlagzeilen produziert als seit der Veröffentlichung seines Albums "Thriller", dann dominiert eine Person der Popkultur derzeit wirkliche ALLE Medien. Sie ist etwa anderthalb Meter klein, rund wie ein Michelin-Männchen, erklärtermaßen lesbisch und Sängerin der amerikanischen Post-Punk-Band "The Gossip": Beth Ditto.
Das Besondere an ihr sind jedoch nicht diese "Äußerlichkeiten", sondern der plötzliche Erfolg, ihre Popularität. Indem sie der Öffentlichkeit selbstbewusst entgegentritt, wo diese doch gewohnt ist, "schlank" mit "schön" gleichzusetzen, tritt sie ihr gepflegt gegen das Schienbein und schmettert ihr ein unüberseh und -hörbares "Hier bin ich ich, nehmt mich wahr" entgegen. Die Musik ihrer Band "The Gossip" ist sicherlich Geschmackssache (hier gibt`s die ausführliche Biographie der Combo), ebenso wie Dittos exaltierte Bühnenshow. Wer bei Daily Talkshows wegzappt, wenn Übergewichtige stolz in Dessous posieren, wird an Beth Ditto live on stage sicherlich wenig Freude haben. Ihre gesanglichen Qualitäten sind ebenfalls diskussionswürdig.
Ein voluminöser Klangkörper allein macht noch keine Jennifer Hudson oder Montserrat Caballé. Auch die "Fachpresse", die das neue Gossip-Album "Music For Men" mit Lobeshymnen überschüttet, darf kritisch betrachtet werden. Die Musik ist hier absolut nebensächlich. Sie ist lediglich das Werkzeug, das Beth Ditto nutzt, um sich selbst zu inszenieren. Das macht sie derart professionell und konsequent, dass nicht einmal mehr seriöse deutsche Medien wie DIE ZEIT, die Süddeutsche Zeitung oder DER SPIEGEL umhin können, über sie zu berichten.
In einer Zeit, die von Kurzlebigkeit geprägt ist, in der Max Mustermann für 5-Minuten-Ruhm seine Ideale verrät, macht das Phänomen Beth Ditto Hoffnung. Sie hat jahrelang dafür gekämpft, wahrgenommen zu werden, hat die ländliche Kleinstadtidylle verlassen, um ihren Weg in das kommerzielle Musikbusiness zu schaffen, hat dabei alle Konventionen und Branchendiktate ignoriert - und sie hat gewonnen.
Tickets für The Gossip
Möge ihr Beispiel zahlreiche Nachahmer/innen finden, damit die (Pop-)Kultur sich weg von der Stromlinienförmigkeit hin zu einer bunten, queeren Bewegung etabliert.
Wer bekommt das nächste "L des Monats"? Damit Du das nicht verpasst, abonniere doch einfach den L-CHECK-Newsletter.