Hier findest Du alle Berichte über Frauen, die jemals in der Rubrik "L-Ladies" vorgestellt wurden.
Hella von Sinnen: „Wir brauchen mehr lesbisches Bewusstsein!“
Hella
von Sinnen - wer kennt sie nicht. Mit ihrer schlagfertigen und
unkonventionellen Art bereicherte die gebürtige Gummersbacherin schon
so manche Show im deutschen Fernsehen. Sie ist extrovertiert und
warmherzig, scheut sich jedoch nicht, hin und wieder auch ihre zickige
Seite zu zeigen. Eine höchst unterhaltsame und kluge Frau und
bekennende Lesbe. Seit vielen Jahren, es müssen insgesamt an die
sechzehn sein, ist Hella von Sinnen mit Cornelia Scheel liiert.
Aus
ihrer sexuellen Orientierung hat Hella Kemper (so ihr richtiger Name)
nie einen Hehl gemacht. Ihr öffentliches Coming Out vollzog sie 1990
beim Berliner Presseball. Wenig später sorgte sie noch einmal für
Aufsehen, als sie sich mit Cornelia Scheel, der Tochter des
Ex-Bundespräsidenten, zeigte. Cornelia kostete diese Offenheit übrigens
ihre Geschäftsführerstelle bei der Deutschen Krebshilfe e.V. Die
fürchtete fortan um ihr seriöses Image, und man trennte sich im Streit
voneinander. Seit diesem Zeitpunkt sah man Cornelia und Hella noch
öfter Seite an Seite in den Medien.
"Aktion Standesamt"
Einen
ersten Höhepunkt ihres gemeinsamen Kampfes gegen die Diskriminierung
von Schwulen und Lesben inszenierte das Paar im Mai 1992 in Köln. Sie
bestellten in einem Standesamt das Aufgebot, was damals abgelehnt
wurde. Zusammen mit einigen anderen homosexuellen Paaren versuchten die
beiden dann, mit der „Aktion Standesamt“ die Hochzeit auf juristischem
Wege bis zum Bundesverfassungsgericht durchzusetzen. So stellten 250
homosexuelle Paare, darunter Hella und Cornelia, am 19. August 1992 in
mehr als 50 deutschen Städten gleichzeitig einen Antrag auf eine
Trauung. Die Juristen zeigten sich relativ unbeeindruckt, die Medien
allerdings nicht. So registrierte die "Schwule Presseschau" immerhin
105 Meldungen in der Tagespresse anlässlich des Heiratsversuchs von
Hella und Cornelia. Als 2001 dann endlich die sogenannte Homoehe per
Gesetz in Deutschland ermöglicht wurde, sagte von Sinnen der
„Bildwoche“ auf die Frage, ob sie und Scheel nun heiraten würden: „Wir
haben lange dafür gekämpft. Aber jetzt lassen wir erst mal die anderen
an die Front." 2002 lebten die beiden dann einige Monate getrennt,
versöhnten sich dann aber wieder.
Hella und die Emanzipation
Doch
Hella von Sinnens Engagement als Frau und Lesbe beschränkt sich nicht
nur auf die Homo-Ehe. Auch der Emanzipationsbewegung gilt ihre
Aufmerksamkeit. „Ich bin mit der Frauenbewegung groß geworden und
gehöre zu denen, die Emanze immer noch nicht als Schimpfwort empfinden,
sondern als Auszeichnung." Und weiter sagt sie: „Frauen verdienen immer
noch nicht soviel Geld wie Männer. Täglich werden Frauen Opfer
männlicher Gewalt, kriegen eine in die Fresse oder werden vergewaltigt.
Wir haben keine emanzipierte Gesellschaft. Und ich werde nicht
aufhören, dies anzuklagen." Und auch das Bewusstsein lesbischer Frauen
sieht Hella von Sinnen als zu wenig ausgeprägt: „Geschichtsbücher und
die Tagesschau tun so, als gebe es keine bedeutende Frauen. Auch in
unserer homosexuellen Kultur wissen alle mehr über Quentin Crisp als
über Alice B. Toklas. Und das ist der Punkt. Natürlich ist schön, mit
den Jungs zu tanzen und zu schwitzen, aber es muss mehr
Frauenbewusstsein da sein, gerade auch bei uns Lesben. Lesbische Kultur
und lesbische Kulturträgerinnen gerade auch ins Bewusstsein der Frauen
zu bringen, ist immer noch eine wichtige Aufgabe.“ (Aus einem Interview
mit der lespress. http://www.lespress.de/0598/texte598/hvs.html)
Alles von Hella bei amazon.de
Gut,
dass es Frauen wie sie gibt, die nicht müde werden, mit Herz und
Verstand auf das emanzipatorische und das lesbische Ungleichgewicht in
unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Hella von Sinnen ist jedoch
eine öffentliche Person, die polarisiert. Daher wird man über die Wahl
der Mittel sicherlich oft geteilter Meinung sein.
Quellen: www.rosarauschen.de / www.wikipedia.de / www.lespress.de / Foto: www.ek-press.de
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Jil Sander: „Ich liebe es, wenn Frauen attraktiv sind, selbstbewusst und sexy.“
Ein
stark auf die (weiblichen) Körperproportionen geschnittener Hosenanzug,
ein weißes Oberhemd, ein schlichter Trenchcoat – der Verzicht auf alle
unnötigen Details, hochwertige Materialien in den Farben schwarz, grau,
weiß, beige, braun und dunkelblau. Diese Art des „New Look“ für
Karrierefrauen, die seit Beginn der 1980er Jahre die Führungsetagen
erobern, ist das Markenzeichen der Hamburger Designerin Jil Sander.
Die
aus Wesselburen in Dithmarschen stammende Heidemarie Jiline Sander,
geboren 1943, ist seit nunmehr über 30 Jahren eine international
bekannte Modeschöpferin. Ihr minimalistischer Stil verlieh ihr den
Beinamen „Queen of Less“. Wegen der von ihr konsequent verwendeten
edlen Materialien und perfekten Verarbeitung und Passgenauigkeit wird
sie auch „Kaschmir-Queen" genannt.
Privatleben eher im Hintergrund
Steht
sie als erfolgreiche Geschäftsfrau seit Jahrzehnten im Rampenlicht des
öffentlichen Interesses, so ist über die private Jil Sander kaum etwas
bekannt. Als Partnerin wird jedoch immer wieder der Name Dickie Mommsen
genannt. In die Schlagzeilen geriet das zurückgezogen lebende Paar im
Mai 2006 durch eine Stalkerin, die im Liebeswahn für Jil Sander sie und
ihre Lebensgefährtin wieder und wieder mit Leib und Leben bedrohte und
schließlich zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt wurde.
Jil Sander bei eBay
Jil Sander und ihr "Denglish"
Was
die private Jil Sander ebenfalls auszeichnet, ist ihre Vorliebe für
Anglizismen. So verlieh ihr der Verein Deutsche Sprache 1997 den
zweifelhaften Titel „Sprachpanscherin des Jahres“ für folgendes
Statement aus der FAZ vom 22. März 1996: „Ich
habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine
giving-story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das
future-Denken haben muss. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte
mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein
coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer
collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles
von Anfang an auch supported. Der problembewusste Mensch von heute kann
diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch
appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte
Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man
muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.“
Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes lebt in Hamburg, Berlin, Gstaad und Mailand.
Quellen: www.wikipedia.de / www.wams.de / Foto: www.greenfield-sanders.com
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Vera IntVeen: „Ich führe eine wunderbare Beziehung!“
Vera
IntVeen (geboren am 21. September 1967 in Meerbusch) ist als
Fernsehmoderatorin der täglichen Talkshow „Vera am Mittag“
deutschlandweit bekannt geworden. Seit dem 17. Januar 2006 moderiert
sie bei RTL II die Sendung „Glück-Wunsch! – Vera macht Träume wahr“,
die dienstags um 21.15 ausgestrahlt wird.
Vera - auch privat selbstbewusst...
Anfang
2006 sprach sie zum ersten Mal öffentlich über ihr Privatleben. In
einem Interview mit der „Bunten“ erzählte sie: „Ich lebe
glücklicherweise in einem sehr entspannten Umfeld mit engen Freunden
und vor allem mit meiner Lebensgefährtin, die mir wirklich Halt gibt.
Vielleicht sogar besonders, weil sie mit der Medienbranche nichts am
Hut hat. (…) Ich führe eine wunderbare Beziehung. Wir sind glücklicher
denn je.“ Auch zu ihrer etwas molligeren Figur nahm sie in dem Gespräch
Stellung: „Ich bin eine dicke Frau, und das ist in Ordnung. Klar, man
wünscht sich manchmal eine neue Frisur, aber viel mehr möchte ich nicht
an mir ändern.“ Hier gibt`s Veras Buch.
... und sozial engagiert
Selbstbewusst,
unverkrampft offen und engagiert wirkt die Wahl-Berlinerin nicht nur im
Fernsehen. Auch als Kindernothilfe-Botschafterin macht Vera mehr als
nur eine gute Figur: „Mädchen müssen so gestärkt werden, dass sie sich
gegen eine mögliche Beschneidung wehren können! Denn wenn die Mädchen
und ihre Mütter stark sind und dem gesellschaftlichen Druck standhalten
können, sind sie in der Lage, für ihre Gesundheit zu kämpfen – auch
gegen jahrhundertealte Konventionen.“
Quellen: www.vera.de /www.wikipedia.de / www.netzeitung.de Fotos: www.vera.de
Katrina Leskanich: "Meine Partnerin und ich können jetzt überall zusammen hingehen!"
Fast
jede von uns assoziiert mit dem Namen sicherlich den Welthit „Walking
On Sunshine“ von 1985, der auch heute noch als ewiger
Gute-Laune-Sommerhit in den Playlists der Radiosender geführt und
dementsprechend häufig über den Äther geschickt wird. Sogar eine
Grammy-Nominierung brachte ihr der Song ein.
Auf die
Frage, ob es sie störe, immer mit „Walking On Sunshine“ in Verbindung
gebracht zu werden, antwortete sie in einem Interview mit
eurovision.de: „Ich finde es gut, mit dem Hit verbunden zu werden, und
habe immer wieder großes Vergnügen daran, ihn vor Publikum zu singen.
Walking on Sunshine macht die Leute glücklich und das reicht für mich!“
Doch auch beim ESC sorgten „Katrina and The Waves“ für Furore: 1997 gewann sie in Dublin für England mit „Love Shine A Light“ den größten europäischen Musikwettbewerb, und zwar mit einer Punktzahl, die so hoch nie zuvor ein Künstler erreicht hatte. Zugleich landete „Love Shine A Light“ auf Platz 2 der UK-Charts.
Katrina über ihren ESC-Erfolg: „Einer der wichtigsten Aspekte beim ESC ist das Kostüm. Wir versuchten es mit fünf verschiedenen Stylisten, die mit allen möglichen Klamotten ankamen, aber wir mochten nichts davon. Das wirklich beste Outfit war mein eigenes, das mich schon die ganze Woche und durch alle Proben begleitet hatte. Es hätte alleine auf die Bühne gehen können! Die Jacke hatte nur ein Schulterpolster, so dass ich versuchen musste, während des gesamten Auftritts daran zu denken, die linke Schulter etwas höher als die rechte zu halten. Das Shirt darunter hatte ich für drei Pfund auf dem Cambridge Market gekauft. Es hängt jetzt im Eurovision Museum in Belgien. Ich hoffe, sie haben es gewaschen!“
2005 ging Katrina mit der Band „Nameless“ erneut ins Rennen, diesmal für Schweden. Leider schaffte sie es jedoch nicht über die Hürde der Vorentscheide. Dafür co-moderierte sie jedoch im selben Jahr die Show "Congratulations" zum 50jährigen Jubiläum des ESC in Kopenhagen.
Zuletzt
war sie in der Show zum deutschen Vorentscheid im März im Hamburger
Schauspielhaus zu sehen, wieder mit „Love Shine A Light“ – ein
fantastischer Auftritt, mit dem sie sämtliche andere Künstlerinnen und
Künstler des Abends locker in die Tasche steckte, wie ich fand…
Nach der Trennung von den „Waves“ 1998 moderierte Katrina Leskanich vier Jahre lang eine tägliche, mehrstündige Abendsendung beim Radiosender BBC Radio 2. Dort lernte sie die Arbeit als DJ und Moderatorin kennen und verdoppelte nebenbei die Quote. Außerdem betrat sie für ein Jahr die Theaterbühne. Im erfolgreichen Ellie-Greenwich 60er-Jahre Musical "Leader of The Pack" sang sie die Hauptrolle.
2006 brachte Katrina eine Solo-CD heraus, Titel "Katrina Leskanich". Das Album hat die Sängerin ihrer Mutter gewidmet, die in dem Jahr gestorben war. Ihr schreibt sie auch ihr musikalisches Talent zu: „Na ja, jedenfalls konnte sie gut singen, oft beim Kochen. Sie hatte einen großartigen Sinn für Musik. Immer wenn sie ihre Platten auflegte, hat sie lauthals mitgeschmettert und uns - meine vier Schwestern und meinen Bruder - zum Mitsingen animiert.“
Katrina wurde am 10. April 1960 in Topeka, Arkansas (USA) als Tochter eines US-Air-Force-Colonels geboren. Dort wuchs sie mit ihren vier Schwestern und einem Bruder auf, bis die Familie - nach einigen Jahren in Deutschland und Holland - 1976 nach England zog.
Die Sängerin sagt über ihre Zeit in Deutschland: „Mein Vater, ein Colonel der US-Air-Force, war 1972 in Vaihingen bei Stuttgart stationiert. Meine Mutter hatte immer davon geträumt, nach Europa zu kommen. Da wir noch nie hier gewesen waren, wussten wir nicht genau, was uns erwartete. Aus den Filmen meiner Kindheit hatte ich Bilder von Lederhosen und Dirndl im Kopf und war überrascht, die Deutschen in modernen Klamotten zu sehen! Wir blieben drei Monate auf der Militärbasis, bevor wir in ein eigenes Haus nach Doffingen umziehen konnten, wo wir unsere Zeit damit verbrachten, die Olympiaden und die synchronisierte "Bonanza"-Serie im Fernsehen zu gucken.“
Die Sängerin lebt heute mit ihrer Lebensgefährtin, einem Hund, einer Katze und einem sprechenden Vogel in London.
In einem Radiointerview mit BBC sagte Katrina, sie hätte Probleme, eine feste Beziehung zu führen. Dass Sie erst nach der Trennung von der Band "Katrina and the Waves" jemanden gefunden habe, der sie nun schon lange glücklich macht. „Als aktives Mitglied der "Waves" war es für mich schwierig, langfristige Beziehungen zu führen, weil wir dauernd gereist sind und alle in derselben kleinen Luftblase lebten. Für mich ist es toll, dass meine Partnerin und ich jetzt überall zusammen hingehen können.“
Quellen für Text und Fotos: www.ndrtv.de, www.eurovision.deOffizielle Homepage von Katrina Leskanich
Geballte Ladung Frauenpower: Marija Serifovic gewinnt den ESC 2007 in Helsinki
Die
Siegerin des Eurovision Song Contest 2007 in Helsinki ist eine
22jährige Frau, die mit den üblichen Girlie-Schönheitsklischees bricht
und allein kraft Stimme und Emotion ihre Konkurrenten auf die Plätze
verweist.
Marija Serifovic, geboren am 14.11.1984, stand
bereits im Alter von zwölf Jahren auf der Bühne und konnte seitdem
viele Gesangswettberbe für sich entscheiden.
Die Serbin
besuchte die Musikhochschule, studierte Betriebswirtschaftslehre, und
begann erst vor vier Jahren mit einer professionellen Sangeskarriere.
Ihr erstes Soloalbum hieß "Naj, najbolja".

An Spekulationen um Marijas sexuelle Orientierung beteiligt L-CHECK sich nicht. Diesbezüglich möge sich jede ihre eigene Meinung bilden. Hier gibt`s das offizielle ESC-Video von Marija.
Quellen: www.eurovision.de, www.eurovision.tv
Ulrike Folkerts: „Ich führe die Yellowpress gern an der Nase herum!“
Ulrike Folkerts wurde 1961 in Kassel geboren und studierte
an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Ihr erstes
Bühnenengagement hatte sie 1986 am Staatstheater Oldenburg, dessen Ensemble sie
drei Jahre lang angehörte.
1988 wurde sie schließlich bei einem Casting des
Südwestrundfunks für die Krimireihe Tatort als Kommissarin Lena Odenthal
verpflichtet, die für die Kripo Ludwigshafen ermittelt. „Es war sehr amüsant.
Ich musste mit einer Pistole herumfuchteln", sagt Folkerts über diesen
Tag. Mehr als dreißig Folgen der Serie sind inzwischen gesendet
worden, damit ist Frau Folkerts gleichzeitig auch die dienstälteste
Tatort-Kommissarin. 2002 bekam sie den "Bambi" als beliebteste
deutsche Fernsehkommissarin. Neben ihren Tatort-Auftritten ist Ulrike Folkerts auch in
zahlreichen anderen TV- und Kinofilmen zu erleben. Im Sommer
2005 verkörperte sie - als erste weibliche Darstellerin in 85 Jahren
Festspielgeschichte - die Rolle des Todes in Hugo von Hofmannsthals
"Jedermann".
Neben ihrer beruflichen Tätigkeit setzt sich Folkerts seit
einiger Zeit für ein Verbot von Landminen aller Art ein und besuchte im Juni
2004 die Projekte von Handicap International im Kosovo. Aktuell engagiert sie
sich außerdem für Menschen mit Down-Syndrom; so beteiligte sie sich an einer
Posterkampagne des DS-Infocenters, die im Oktober 2005 anlief.
Ulrike Folkerts lebt relativ zurückgezogen in Berlin. Der
ganze Rummel um ihre Person ist ihr eher unangenehm. Nur selten stellt sie sich
der Presse. In einem Interview mit Reinhold Beckmann sagte sie 2004: „Jetzt
genießt man es natürlich, erfolgreich zu sein und eine Bestätigung zu bekommen,
dass sich Lena Odenthal so lange gehalten hat." Im Laufe der Jahre sei sie
viel gelassener geworden, auch was die Schlagzeilen der Boulevardpresse
bezüglich ihrer Homosexualität angehe.
Noch vor wenigen Jahren habe sie sehr
unter den Ressentiments der Öffentlichkeit gelitten, doch heute führe sie die
Yellowpress gezielt an der Nasse herum. "Ich lasse mich immer wieder mit
neuen Leuten sehen, dann kann die Presse überlegen, wer ist die Neue im Leben
von Frau Folkerts."
Quellen: 1000fragen.de, Wikipedia.org, DasErste.de / Fotos: Christiane Stephan (oben rechts), Katharina Schnitzler (u.l.)
Bettina Böttinger: „Für manche Männer bin ich ein rotes Tuch!“*
Bettina Böttinger, Tochter einer Sekretärin und eines
Filmkaufmannes, wuchs als Einzelkind bei ihrer Mutter auf und machte 1975 in
Düsseldorf ihr Abitur.
Danach studierte sie Germanistik und Geschichte in Bonn
mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. Während ihres Studiums arbeitete sie jedoch
für die „Bonner Rundschau“, was dazu führte, dass sie ihre Pläne änderte und
Journalistin wurde.
Im Frühjahr 1985 kam Bettina Böttinger zum WDR und wurde im
November 1985 als Redakteurin übernommen. Ihre erste Radioreportage
beschäftigte sich mit einer 72-jährigen Kanufahrerin und ihr erster Fernsehbeitrag
mit einem kleinen Wildschwein aus der Eifel.
Ab 1986 moderierte sie überwiegend im Hörfunk, von 1986 bis
1991 auch das WDR-Folk-Festival. Nach verschiedenen
Moderationstätigkeiten im Landesstudio Dortmund stieg sie1989 zur Leiterin des
WDR-Regionalbüros Bonn und im Juli 1991 zur Redaktionsgruppenleiterin „Hier
und Heute“ auf (bis Mai 1993). Ab Dezember 1991 präsentierte Bettina
Böttinger die Medienshow „Parlazzo“. Mit dieser monatlichen
WDR-Live-Sendung, die prominente Gäste, Streitgespräche und Musik bot, kam die Rundfunk-Journalistin
zur Fernsehunterhaltung.
Ab September 1993 moderierte Böttinger erstmals „B.trifft“,
„die etwas andere Talkshow“, bei der zu jeder Sendung zwei Gäste
eingeladen wurden, die vorab nicht wussten, wen sie zu einem gemeinsamen
Gesprächsthema treffen würden. Im November 1994 und im Januar 1996 erhielt sie
dafür eine Nominierung für den Adolf-Grimme-Preis.
1994 gründete Bettina Böttinger die Produktionsfirma Encanto
GmbH, mit der sie nicht nur „B.trifft“ herausbringt, sondern auch verschiedene
Tier-Doku-Soaps (u. a. seit 2006 „Pinguin, Löwe & Co.“) sowie
zusammen mit dem Tierpsychologen Martin Rütter die Hundesendungen „Eine
Couch für alle Felle“ (2003) und „Ein Team für alle Felle“ (seit 2005).
Am 11. Juni 2004 wurde die letzte Folge von „B.trifft“
ausgestrahlt. Vom Oktober 2004 bis Dezember 2005 moderierte sie das von ihr
selbst produzierte Talkshow-Format „Böttinger“ und seit März 2006
zusammen mit Achim Winter den „Kölner Treff“ aus der Vulkanhalle
im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Die Traditions-Talkshow des WDR wurde am 25.
Januar 1976 erstmals gesendet und bis 1980 von Alfred Biolek geleitet. Seit
Januar 2007 führt Bettina Böttinger alle zwei Wochen durch die Sonntagsausgabe
des TV-Magazins west.art.
Bettina Böttinger wird seit Ende der 1990er Jahre gerne für
die Moderation größerer Medien-Veranstaltungen verpflichtet. Auch für den
Hamburger Frauenball war sie einige Male tätig. 1997, 2005, 2006 und 2007
präsentierte sie die Verleihung des Adolf-Grimme-Preises sowie die Verleihung
des Deutschen Kamerapreises 2002 bis 2005.
Bettina Böttinger lebt mit ihrer Lebensgefährtin in der
Eifel. Sie engagiert sich u.a. für die AIDS-Hilfe, seit 1996 für das Mädchenhaus
Köln und seit 1994 für die Frauenrechtsorganisation „medica
mondiale“. Seit 2002 reiste sie für diesen Verein, der sich um
traumatisierte Frauen und Mädchen in Kriegsgebieten kümmert, mehrfach nach
Afghanistan. Die sportbegeisterte Journalistin läuft Marathon und machte 1999
die C-Lizenz für die Formel 3.
*Aus: Interview auf Tagesspiegel.de
Quellen: wikipedia.de / Fotos: wdr.de
Angelina Maccarone: "Ich glaube an die subversive Kraft von Humor."
Angelina Maccarone, die Frau mit dem wohlklingend italienischen Namen – da fällt mir persönlich als Erstes der wunderbare Fernsehfilm „Kommt Mausi raus?“ ein. Mitte der 90er, fast zeitgleich mit meinem eigenen Coming Out, war ich begeistert von der lesbischen Komödie mit Tiefgang, und noch heute leuchten meine Augen, wenn ich daran zurückdenke. An den Film UND mein Coming Out ;-) Unvergessen die Szene, als Mausi sich endlich ein Herz fasst, ihrer Mutter zu erzählen, dass sie sich in eine Frau verliebt hat. Eine kleine Pause. Dann die Mutter: „Die Inge Meysel, die ist ja auch lesbisch.“ Kreisch!
Angelina
Maccarone, geboren am 21. August 1965 in Pulheim bei Köln, schrieb nach
der Schule Songtexte für Udo Lindenberg und ROH. 1985 zog sie
nach Hamburg und studierte Germanistik und Amerikanistik mit dem
Schwerpunkt Medien. Ihr Treatment zu „Kommt Mausi raus?“ um das
Coming-Out einer jungen Frau wurde 1992 mit dem Preis der Kulturbehörde
Hamburg ausgezeichnet. Für den gleichnamigen Fernsehfilm, der 1995 für
den Telestar nominiert wurde, schrieb sie das Drehbuch und führte
gemeinsam mit Alexander Scherer Regie. 1997/1998 drehte Maccarone „Alles wird gut“ über zwei afrikanisch-deutsche Frauen. Die Komödie brachte ihr zahlreiche Festivalteilnahmen sowie Zuschauerpreise in Los Angeles, New York und Paris ein. Nach einem weiteren TV-Projekt als Regisseurin und Autorin in Personalunion, „Ein Engel schlägt zurück“. 2004 führte sie die Regie bei dem Kinofilm „Fremde Haut“ (Co-Autorin: Judith Kaufmann) und erhielt dafür 2005 den Hessischen Filmpreis. Im selben Jahr folgte der Kinofilm „Verfolgt“ und im Herbst 2007 wird „Stadt ohne Herz“ ins Kino kommen. Zur Zeit arbeitet sie an dem Drehbuch für einen weiteren „Tatort“, der ebenfalls im Herbst 2007 gesendet werden soll.
Die Handlung von „Stadt ohne Herz“ (Arbeitstitel: Vivere, Kinostart: 18.10.2007) macht schon jetzt neugierig auf das jüngste Werk von Frau Maccarone: An Heiligabend brennt Francescas kleine Schwester Antonietta mit einem Rocksänger durch. Die schon erwachsene Francesca, die sich um sie kümmern soll, folgt ihr Richtung Rotterdam. Unterwegs gabelt sie die wesentlich ältere Gerlinde (Hannelore Elsner!!) auf, die mit ihrem Leben am Ende scheint. Nach einem Autounfall ist sie bewusstlos und Francesca bringt sie ins Krankenhaus. Doch die Wege der beiden Frauen kreuzen sich noch mehrmals, auch in Rotterdam, wo die kleine Schwester von ihrem Rockstar schwer enttäuscht wird. Als Francesca sich auch noch in Gerlinde verliebt, bekommen die so unterschiedlichen Leben der drei Frauen ganz neue Richtungen.
Filme von Angelina Maccarone auf DVD
In einem Interview mit dem Magazin Lespress äußerte sie sich wie folgt:
- Sie haben zwei herausragende Lesbenfilme fürs deutsche Fernsehen gemacht. War es ein steiniger Weg, um dahin zu kommen? Sehen Sie sich als eine Art Wegbereiterin?
A: Der Weg war Mitte der 90er, als "Mausi" lief, ein noch wenig beschrittener, aber als steinig würde ich ihn nicht bezeichnen. Damals wurde das Thema "Wenn Frauen Frauen lieben" durch alle Talkshows geschickt. Madonna kokettierte mit lesbischen Affären und selbst Inge Meysel bekannte sich. Es gab eine Neugier, die auch negativ als "hype" bezeichnet werden könnte.
Inzwischen wird in jeder Vorabendserie ein lesbischer Liebesstrang erzählt. Ob diese Quantität das Lesbenbild im Mainstream vielschichtiger macht oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Meine Beobachtung ist jedoch, dass es leider immer noch leichter ist, Filme mit heterosexuellen HeldInnen finanziert zu bekommen. Auch den Wunsch nach, "so einer Geschichte wie "Alles wird gut", nur eben... anders" sprich: hetero, habe ich des öfteren von Produzenten gehört.
Die Situation, in der Drehbücher nicht aufgrund der sexuellen Orientierung der Hauptfigur unterschiedlich bewertet werden, ist also noch nicht erreicht. Bei diesem Ziel möchte ich gern Wegbereiterin sein.
- Ihre Filme sind (zum Teil) sehr komisch. Was bedeutet Ihnen der Humor?
A: Humor kann ein gutes Mittel sein, "schwierige" Themen einem Publikum nahe zu bringen, das normalerweise davor flieht. "Rassismus" ist so ein Thema. Ich finde es wichtig, sich in Deutschland endlich bewusst damit zu beschäftigen. Wenn Leute über die Absurdität des Konstruktes "Rasse" lachen, kann es ein Einstieg zu einem Nachdenken über den eigenen verinnerlichten Rassismus sein. Außerdem mag ich persönlich gern Komödien und glaube an die subversive Kraft von Humor.
- Ihr Interesse geht aber über "reine" Lesbenfilme hinaus - warum?
A: Was sind "reine" Lesbenfilme? Entscheidend finde ich beim Filmemachen den Standpunkt. Egal über welches Thema ich schreibe, mein Standpunkt bleibt ein "lesbischer". Mich fasziniert die Absurdität der Norm in allen Schattierungen, auch über die sexuelle Orientierung hinaus. Und selbst da gibt es ja weitaus mehr als nur homo oder hetero. Innerhalb der Szene gibt es neue Grenzen zwischen S/M und "Vanilla" oder Queercore und Tanztee.
- Was ist Ihnen als Filmemacherin wichtig, was wollen Sie zeigen/dem Publikum mit auf den Weg geben?
A: Schön ist, es zu schaffen, dass Leute sich repräsentiert fühlen, die im Mainstream vielleicht sonst nicht so vorkommen. Oder wenn das "breite" Publikum sich unterhalten fühlt und dabei gleichzeitig den Blickwinkel einer Hauptfigur einnimmt, die sonst immer fünf Zentimeter neben dem Rampenlicht steht, und Leute, die sonst nichts mit sogenannten "Randgruppen" zu tun haben, plötzlich über ihre Haltung zu Sexualität oder Rassismus nachdenken und ihre Sicht erweitern.
- Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Filme? Gibt es autobiographische Elemente?
A: Die Ideen für die Filme sind einfach da. Natürlich sind die Geschichten nicht eins zu eins autobiographisch, das wäre wenig interessant. Aber es muss schon ein Thema sein, das mich beschäftigt und berührt, in der Zeit, in der das Drehbuch entsteht. Während des Schreibens kann ich es dann für mich ausloten. Bei "Alles wird gut" wollten Fatima El-Tayeb und ich einfach einen Film machen über ganz normale Leute wie uns selbst und über die Absurdität von Rassismus. Da wir beide das Genre der Screwball-Comedy mochten, haben wir uns daran versucht. Nur dass statt Cary Grant und Katherine Hepburn diese Form der romantischen Komödie zwischen zwei afrodeutschen Frauen stattfindet. Dabei hatten wir jede Menge Spaß.
- Sie haben ja auch Songtexte geschrieben und sind als Dozentin tätig. Welche Arbeit bedeutet Ihnen am meisten?
A: Ich mag Songtexte, in ihrer Ausschnitthaftigkeit und Präzision: es geht um ein Gefühl, einen Aspekt, der in einer relativ strengen Form sprachlich bebildert wird. Aber Film ist für mich die Königin unter den Ausdrucksformen, weil hier alles zusammenfließen kann: eine Geschichte, Bilder, Musik, Schauspiel, Orte, Menschen, politische und psychologische Aspekte, das ganze Spektrum menschlicher Gefühle und Abgründe. Diesen Reichtum versuche ich meinen StudentInnen zu vermitteln. Das Unterrichten macht mir Spaß, weil meine eigene Suche nie aufhört, und es für mich auch stark darum geht, meine Grenzen zu erweitern und mich für die Fülle dessen, was an Inhalt und Form möglich ist, zu öffnen.
Interview: Lespress.de, weitere Quellen: filmportal.de, agentur-heppeler.de. Foto: Fabian Isensee
L-CHECK-Exklusivinterview mit Sandra Wöhe: "Liebe ist ein Geheimnis"
Als Tochter einer Indonesierin und eines Holländers wurde Sandra Wöhe 1959 in den Niederlanden geboren, ist diplomierte Krankenschwester und ausgebildete Publizistin. Sie lebt in Zürich nach freiberuflicher Tätigkeit als Journalistin und Redakteurin und seit 1999 als selbstständige Autorin.

(Fotos: sabine@mairiedl.de)
Die
erste Romanveröffentlichung von Sandra Wöhe war "Lass mich deine Pizza
sein", ihr aktuelles Werk heißt "Giraffe im Nadelöhr". Da das zentrale
Thema ihrer Bücher "Liebe und Beziehung" ist, stellte ich der
sympathischen Autorin im Rahmen eines Kurzinterviews ein paar ganz
persönliche Fragen zu Ihrer Person...
L-CHECK: Sandra, in Deinen Büchern trifft man auf Protagonistinnen, deren Gefühlswelten permanente Loopings fahren. Wieviel eigenes Erleben, wie viel Autobiographie steckt in Deinen Romanen?
Das Autobiographische kann ein Auslöser sein, einer von vielen. Meistens treibt mich ein intensives Erlebnis oder ein Gefühl an die Tastatur. Beim Schreiben wird dann aus einem Schinken ein Schwein oder ein See verwandelt sich in ein Ungeheuer. Trotzdem ist in einer Geschichte weniger möglich als das, was einem Menschen im Leben zustößt.
L-CHECK: In "Giraffe im Nadelöhr" beobachtet Inge ihre Freundin beim Liebesspiel mit einer anderen. Wäre eine solche Situation auch für Dich denkbar?
Denkbar schon. Ich habe mir die Szene ja ausgedacht. Wie ich mich in solch einer Situation tatsächlich verhalten würde, wäre abhängig von meiner Tagesform. Vermutlich ist von „mich wie gelähmt fühlen“ bis zum Tobsuchtsanfall mit reichlich unnötig zerschlagenem Porzellan alles möglich.
L-CHECK: Auf den Fotos, die von Dir veröffentlicht wurden, sieht man stets ein strahlendes Lächeln, egal, in welcher Lebensphase Du Dich gerade befandest. Würdest Du von Dir selbst behaupten, ein "Glückskind" zu sein?
Mir macht es Spaß, dem Glück so lange hinterherzulächeln, bis es zurückstrahlt. Sollte das Glückskind gerade in den Ferien sein, vertreibe ich mir die Wartezeit mit Situationskomik. Ein Tag ohne Lachen verdirbt mir die Laune.
L-CHECK: Du bezeichnest Dich selbst als "ahnungslos in der Liebe". Was bedeutet das für Dich?
Die Liebe ist ein Geheimnis, an dem der Neandertaler genauso gescheitert ist, wie es der moderne Mensch immer noch tut. Gefühle ändern sich und jede Person ist einzigartig. Mit jeder neuen Liebe beginnt man wieder von vorn. Was sehr spannend ist.
L-CHECK: Welche Eigenschaften schätzt Du an einer Frau am meisten?
Ich schätze Persönlichkeiten, die gute Brückenbauerinnen sind und bei Auseinandersetzungen nicht jedes Wort persönlich nehmen. Nichts finde ich furchtbarer, als wenn ein Missverständnis in einen Streit ausartet.
L-CHECK: Und wenn Du mit einer Frau flirtest, welche Rolle spielt dabei ihr Aussehen?
Ohne ernsthafte Absichten spielen innere und äußere Erscheinung eines Menschen keine wesentliche Rolle. Wenn ein Flirt aber in eine Verführung übergehen soll, dann sollte die Frau mir schon munden – und ich ihr auch.
L-CHECK: Welche Ziele möchtest Du noch verwirklichen, welche Träume erfüllen?
Ich würde gerne vollendet Walzer tanzen können – im Ballsaal und auf der Bühne des Lebens.
L-CHECK: Hab vielen Dank für das Interview!
Wer
Sandra Wöhe auch einmal live erleben möchte, kann das demnächst tun. Im
Juni wird sie für einige Termine quer durch Deutschland reisen,
zusammen mit der ebenfalls lesbischen Künstlerin Maria Eleftheria. Der
Name ist Programm: "Damen im Doppelpack". Weitere Inforamtionen dazu
unter www.sandrawoehe.ch
Annemarie Schwarzenbach: Rebellin zwischen Hochbegabung und Selbstfindung
Zu Lebzeiten berühmt, dann in Vergessenheit geraten und erst in den 1980er Jahren wieder entdeckt, provozierte sie die Zeitgenossen. Frühreif, begabt und rebellisch, brach sie mit den gesellschaftlichen Konventionen ihres millionenschweren, chauvinistischen Schweizer Elternhauses, lehnte sich gegen die besitzergreifende Mutter auf, bekannte sich öffentlich zu ihrer Homosexualität, trug Kurzhaarschnitt und Männeranzüge, engagierte sich gemeinsam mit Klaus und Erika Mann gegen den Faschismus und machte sich als Schriftstellerin, Reise- und Fotojournalistin einen Namen.
Sie schrieb Romane, Erzählungen und politische Essays, reiste mit dem Auto nach Afghanistan und Indien, von Russland in den Iran und Irak, arbeitete in Belgisch Kongo und in den USA. Als eine der ersten ausländischen Journalistinnen prangerte sie die Rassendiskriminierung, die Ausbeutung und die sozialen Missstände der Baumwollpflücker in Amerika an und dokumentierte mit unbestechlichem Reporterblick die Lebensbedingungen afghanischer Frauen unter dem Tschador.
Die Kehrseite ihres wagemutigen und an Abenteuern reichen Lebens waren Skandale, unglückliche Lieben, Rast-, Halt- und Heimatlosigkeit. „Mein Leben zerfetzt sich mir in tausend Stücke“, schrieb die 27-Jährige an Klaus Mann. Zwischen kreativen Phasen stürzte sie immer wieder ab. Mit erst 34 Jahren starb Annemarie Schwarzenbach an den Folgen eines Fahrradunfalls. Ihr Leben als Vagabundage und ihr früher Tod machten sie zum Mythos. Anlässlich ihres 100. Geburtstags am 23. Mai 2008 suchen nun zwei Biografien und eine große Ausstellung eine neuerliche Annäherung an Leben und Werk dieser schillernden Figur der Schweizer Literatur.
Vor dem
Hintergrund des zeitgenössischen Kontextes rekonstruiert die
französische Schwarzenbach-Übersetzerin Dominique Laure Miermont in
ihrem Buch „Annemarie Schwarzenbach: Ich erhielt das Geschenk einer
fürchterlichen Freiheit“ die Lebensstationen der Weltreisenden als
Spiegelbild der Konflikte und Krisen, die Europa damals erschütterten.
„Annemarie Schwarzenbach wollte den Horizont – wie sie sagt - berühren.
Und immer suchte sie hinter dem Horizont. Was steckt dahinter? Die
versprochene Erde? Sie war immer auf der Suche nach sich selbst“, so
die Biografin.Ausstellung:
„Annemarie Schwarzenbach - eine Frau zu sehen“ (19. März bis 1. Juni 2008)
Museum Strauhof, Augustinergasse 9, 8001 Zürich
Öffnungszeiten: dienstags – freitags 12 – 18 Uhr;
samstags und sonntags 10 – 18 Uhr
Neue Einblicke in das Leben der ruhelosen Reisenden gewährt Großneffe Alexis Schwarzenbach mit bisher unveröffentlichten Dokumenten, Fotos und Filmmaterial aus dem Familienarchiv in dem opulenten Bildband „Auf der Schwelle des Fremden“. Und im Zürcher Strauhof beleuchtet die Schau „Annemarie Schwarzenbach - eine Frau zu sehen“, die Alexis Schwarzenbach kuratiert hat, das rastlose und faszinierende Leben einer Getriebenen.
1908 wird Annemarie Schwarzenbach als drittes der fünf Kinder des Großindustriellen Alfred Schwarzenbach und seiner Frau Renée Wille geboren. Auf dem herrschaftlichen Landgut Brocken oberhalb des Zürichsees wächst sie auf. Nach dem Abitur studiert sie Geschichte, Psychologie und Philosophie in Zürich und an der Sorbonne in Paris. Die Kommilitonen verlieben sich Reiheweise in die junge Frau mit der Garçonnefrisur. Sie selbst freilich weiß, „dass ich nur Frauen mit wirklicher Leidenschaft lieben kann.“ Gerade das aber macht die ohnehin schwierige Beziehung zur Mutter noch komplizierter. „Es kommt zur Krise, wenn das Mädchen plötzlich nicht mehr Rosenkavalier für die Mutter und die Geliebte der Mutter allein sein möchte, sondern sich in eine andere Frau verliebt. Dann kommen die Probleme, dann fangen sie sich an in einer Eifersuchts- und Hassliebe schon ineinander zu verzahnen, auf eine fürchterliche Art und Weise“, meint Großneffe Alexis.
Während des Studiums entstehen Annemarie Schwarzenbachs ersten größeren literarischen Arbeiten. 1930/31 lernt sie Klaus und Erika Mann kennen, mit denen sie schon bald eine enge Freundschaft verbindet. Annemarie Schwarzenbach promoviert und veröffentlicht ihren ersten Roman Freunde um Bernhard
Nach der Publikation ihrer Lyrischen Novelle
Annemarie
Schwarzenbach (l) und Ella Maillart posieren 1939 neben ihrem Ford de
luxe, mit dem sie eine Reise nach Kafiristan antreten wollen.Im April 1935, da hatte sie einen ersten Selbstmordversuch überstanden, unternimmt sie ihre dritte Persienreise und heiratet den französischen Diplomaten Claude Clarac. Nach Depressionen, exzessivem Drogenkonsum und einem Skandal um eine ihrer lesbischen Beziehungen kehrt sie in die Schweiz zurück. Sie macht eine Entziehungskur und reist zwischen 1936 und 1938 durch die USA und das Baltikum. „Lorenz Saladin“ und diverse politische Texte erscheinen. 1939 bricht sie mit Ella Maillart nach Afghanistan und Indien auf. Sie publiziert „Das Glückliche Tal“ sowie eine Reihe journalistischer Arbeiten. In den USA trifft sie Klaus und Erika Mann wieder. Hier begegnet sie auch der jungen Schriftstellerin Carson McCullers, die sich unglücklich in sie verliebt. Nach einem Zusammenbruch und der Zwangseinweisung in die Psychiatrie wird Annemarie Schwarzenbach aus den USA ausgewiesen.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Schweiz geht sie 1941 auf Reportagereise nach Afrika und arbeitet an „Das Wunder des Baums“. Bei einem Sturz vom Fahrrad zieht sie sich 1942 eine schwere Kopfverletzung zu und stirbt am 15. November an den Folgen einer falschen Behandlung. Noch am Tag ihres Todes vernichtet die Mutter gegen den testamentarischen Willen der Tochter deren sämtliche literarischen Manuskripte, Tagebücher und die Briefe der Geschwister Mann. Ein Autodafé, das die Erinnerung an die Unbequeme auslöschen soll. „Annemarie Schwarzenbach war Tabu in ihrer Familie“, sagt Dominique Laure Miermont. „Das haben mir viele Familienangehörige gesagt. Sie hätten gerne gewusst, wer diese Frau war, diese Annemarie, die 1942 gestorben ist. Kein Wort. Man hat sie verschwiegen.“
Doch das Leben dieser außergewöhnlichen Frau hat Spuren hinterlassen, die sich auf Dauer nicht ausradieren ließen. Im Jahr des hundertsten Geburtstages von Annemarie Schwarzenbach kann die Nachwelt ihnen folgen.